Die Geschichte des Coworkings: Wie aus geteilten Büros eine neue Arbeitswelt wurde

24. September 2026
Lesezeit: 15 Minuten

Coworking ist älter als sein Name – und zugleich jünger als viele seiner Grundideen. Schon Jahrzehnte bevor der Begriff bekannt wurde, mieteten Unternehmen vollständig ausgestattete Büros auf Zeit, teilten Konferenzräume und nutzten gemeinsam Empfang, Technik und Sekretariatsleistungen. Was zunächst als Business Center oder Büroservice galt, entwickelte sich mit Digitalisierung, mobiler Arbeit und einer neuen Generation Selbstständiger zu etwas anderem: Arbeit sollte nicht nur flexibler, sondern auch gemeinschaftlicher werden.

Als Geburtsjahr des modernen Coworkings gilt meist 2005. Damals entstand in San Francisco ein Arbeitsort, der die Unabhängigkeit selbstständiger Arbeit mit Gemeinschaft und Struktur verbinden sollte. Doch die Geschichte beginnt früher – und Deutschland spielte dabei eine bemerkenswert frühe Rolle.

Berlin entwickelte sich seit den 1990er-Jahren zu einem Experimentierfeld für neue Arbeitsformen. Hackerspaces, flexible Business Center, Working Cafés und später klassische Coworking Spaces näherten sich von unterschiedlichen Seiten derselben Frage: Muss professionelle Arbeit wirklich an ein festes Unternehmensbüro gebunden sein?

Auch Satellite Office gehört zu dieser Geschichte. Bereits 1997 entstanden in Berlin flexibel nutzbare, vollständig ausgestattete Büros für Unternehmen, die keine langfristige Fläche anmieten wollten. Coworking hieß das damals noch nicht. Einige Prinzipien der heutigen flexiblen Arbeitswelt waren jedoch bereits vorhanden.

Die Vorläufer des Coworkings: Als das Büro zum Service wurde

Die Geschichte flexibler Arbeitsplätze beginnt nicht mit einem großen Gemeinschaftstisch und auch nicht im Silicon Valley. Einer ihrer wichtigsten Vorläufer ist das Business Center.

Die Idee stammt ursprünglich aus den USA und wurde Anfang der 1980er-Jahre auch in Deutschland populär. Bereits 1984 gründete sich hierzulande der Bundesverband Business Center. Das damalige Konzept kommt heutigen Flex-Office-Modellen erstaunlich nahe: Betreiber stellen vollständig möblierte Büros und Konferenzräume bereit, kümmern sich um technische Infrastruktur und bieten zusätzliche Dienstleistungen vom Telefonservice bis zum Sekretariat an. Unternehmen können diese Infrastruktur flexibel nutzen, ohne eine eigene Bürofläche langfristig aufbauen und betreiben zu müssen.

Damit entstand erstmals in größerem Maßstab die Idee vom Office as a Service: Nicht mehr der Besitz oder die langfristige Anmietung einer Fläche stand im Mittelpunkt, sondern deren Nutzung.

Zum Coworking im heutigen Verständnis fehlte allerdings noch ein entscheidendes Element. Business Center waren primär eine professionelle Dienstleistung. Sie boten Flexibilität, Infrastruktur und Service. Die spätere Coworking-Bewegung ergänzte diese funktionalen Vorteile um einen bewussten sozialen Gedanken: Menschen sollten nicht lediglich nebeneinander arbeiten, sondern sich begegnen, austauschen und voneinander profitieren.

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man verstehen möchte, wie Coworking entstanden ist.

Die 1990er-Jahre: Arbeit beginnt sich vom festen Büro zu lösen

Mit der Digitalisierung veränderten sich die Voraussetzungen. Informationen wurden zunehmend transportabel, Kommunikation ließ sich auch außerhalb des eigenen Unternehmens organisieren und Arbeiten war nicht mehr vollständig an einen bestimmten Schreibtisch gebunden. Im Jubiläumsmagazin von Satellite Office wird diese Phase rückblickend als entscheidender Entwicklungsschritt der Business Center beschrieben: Mit fortschreitender Digitalisierung konnte Arbeit erstmals in größerem Umfang außerhalb des eigenen Firmenbüros stattfinden.

Gleichzeitig entstanden neue Orte, die weniger aus der Immobilienbranche als aus der digitalen Kultur kamen.

1995 wurde beispielsweise in Berlin der c-base e. V. gegründet. Künstler, Entwickler, Wissenschaftler, Designer und Technikbegeisterte schufen dort eine gemeinschaftliche Plattform für Wissen, Technologie und Projekte. Ein Coworking Space im heutigen kommerziellen Sinn war die c-base nicht. Als gemeinschaftlicher Arbeits- und Kreativort gilt sie dennoch als wichtiger Vorläufer der späteren Coworking-Kultur.

Nur zwei Jahre später entstand in derselben Stadt ein ganz anderer Ansatz flexibler Arbeit.

1997: Satellite Office startet mit Büros auf Zeit in Berlin

Berlin befand sich Mitte der 1990er-Jahre im Umbruch. Rund um den Potsdamer Platz entstanden einige der größten Bauprojekte Europas. Zahlreiche Unternehmen benötigten dafür zeitweise eine Präsenz in der Hauptstadt, wollten aber weder eigene Flächen langfristig anmieten noch komplette Bürostrukturen aufbauen.

Aus genau diesem Bedarf entstand 1997 das erste Büroprojekt von Anita Gödiker. Die ursprüngliche Idee war eine professionelle Büroplattform für Unternehmen, die am Aufbau der Hauptstadt beteiligt waren. Zunächst wurde das Konzept im Rahmen des damaligen Franchiseunternehmens IHR BÜRO umgesetzt.

Das Prinzip war einfach: Büroräume sollten kurzfristig verfügbar sein – ohne langfristigen Mietvertrag, ohne eigenen Möbelkauf und ohne langwierige Immobiliensuche. Im Mittelpunkt stand nicht Gemeinschaft als Selbstzweck, sondern die Möglichkeit, professionelles Projektgeschäft flexibel in Berlin abzubilden. Genau diesen ursprünglichen Gedanken beschreibt Gödiker im Jubiläumsmagazin: Büroflächen teilen, Infrastruktur bereitstellen und Unternehmen ermöglichen, nur die Arbeitsumgebung zu nutzen, die sie tatsächlich benötigen.

Satellite Office war damit nicht der erste Business-Center-Anbieter Deutschlands; diese Branche existierte bereits. Das Unternehmen gehört aber zur frühen deutschen Flex-Office-Geschichte und setzte 1997 mehrere Prinzipien um, die später auch die moderne flexible Arbeitswelt prägen sollten.

Bemerkenswert ist dabei auch die Entstehung des Namens. Nachdem die ursprüngliche Franchisebeziehung endete, entstand 1998 auf einem Rückflug aus den USA die Idee eines „Satellitenbüros“: eines Büros dort, wo ein Unternehmen es gerade benötigt. Daraus entwickelte sich der Name Satellite Office.

Fast drei Jahrzehnte später wirkt diese Vorstellung erstaunlich aktuell.

1999 bis 2005: Aus flexiblem Arbeiten wird „Coworking“

Während Business Center die räumliche Flexibilität professionalisierten, entstand Ende der 1990er-Jahre eine zweite Entwicklungslinie.

1999 verwendete der Spieleentwickler und Autor Bernie DeKoven den Begriff „coworking“. Gemeint war damals noch kein bestimmter Arbeitsort. DeKoven beschrieb vielmehr eine Form gleichberechtigter, kollaborativer Zusammenarbeit, unterstützt durch digitale Technologien. Der Begriff existierte also, bevor daraus eine Immobilienkategorie wurde.

2002 folgte mit der Schraubenfabrik in Wien ein weiterer wichtiger Vorläufer. Selbstständige unterschiedlicher Disziplinen arbeiteten dort gemeinsam in einer ehemaligen Fabrik. Die Schraubenfabrik wird rückblickend als eine der frühen europäischen Keimzellen des Coworkings beschrieben – auch wenn der Begriff dort zu Beginn noch nicht im heutigen Sinne verwendet wurde.

Der entscheidende Schritt folgte 2005 in San Francisco.

Der Softwareentwickler Brad Neuberg suchte nach einer Arbeitsform, die zwei scheinbare Gegensätze verbinden konnte: die Freiheit und Selbstständigkeit des Arbeitens auf eigene Rechnung und gleichzeitig die Struktur und soziale Nähe eines gemeinsamen Arbeitsplatzes. Er initiierte den San Francisco Coworking Space im Spiral Muse. Dieser Ort gilt weithin als Ausgangspunkt der modernen Coworking-Bewegung.

Damit bekam Coworking seine charakteristische Verbindung:

Flexibler Arbeitsplatz plus Gemeinschaft.

Genau darin lag der Unterschied zum klassischen Business Center.

Coworking in Deutschland: Berlin wird zum Labor neuer Arbeitsformen

Die deutsche Geschichte des Coworkings lässt sich besonders gut in Berlin beobachten. Innerhalb weniger Jahre entstanden hier verschiedene Modelle, die auf sehr unterschiedliche Weise die Grenzen des klassischen Büros auflösten.

Die c-base schuf ab 1995 einen gemeinschaftlichen Raum rund um Technologie und Wissen. Satellite Office bot ab 1997 professionelle, flexibel nutzbare Büroinfrastruktur für Unternehmen. 2005 eröffnete am Rosenthaler Platz das St. Oberholz, das sich selbst als erstes Working Café der Welt bezeichnet. Arbeit mit dem Laptop im Café wurde dort bewusst nicht nur toleriert, sondern Teil des Konzepts.

2009 folgte schließlich das betahaus. Sechs Gründer starteten in einer rund 250 Quadratmeter großen Halle in Kreuzberg einen Arbeitsort, der ausdrücklich auf Zusammenarbeit ausgelegt war. Das betahaus bezeichnet sich heute als ersten Coworking Space Berlins und gehört zu den prägenden Orten der deutschen Coworking-Bewegung.

Diese Orte waren nicht dasselbe. Gerade deshalb erzählen sie die Entstehung moderner Arbeit so gut.

Die c-base kam aus der Community. Satellite Office aus dem professionellen Büroservice. St. Oberholz aus der Café- und Stadtkultur. Das betahaus machte gemeinschaftliches Arbeiten schließlich selbst zum Produkt.

Coworking entstand nicht aus einer einzigen Idee. Verschiedene Entwicklungen liefen zunehmend aufeinander zu.

2009: Als Business Center und Coworking aufeinandertreffen

Auch innerhalb von Satellite Office lässt sich dieser Übergang ungewöhnlich genau nachvollziehen.

Im Jubiläumsmagazin erinnert sich Anita Gödiker daran, dem Begriff „Coworking“ 2009 im betahaus erstmals bewusst begegnet zu sein. Anschließend beschäftigte sie sich mit weiteren Konzepten und besuchte unter anderem Spaces in Amsterdam. Die Überlegung war, Elemente aus beiden Welten zu verbinden: die Professionalität etablierter Business Center mit der Offenheit und Skalierbarkeit der neuen Coworking-Bewegung. Daraus entstand das damalige Projekt MobileSuite.

Gerade dieser Zeitpunkt zeigt, warum es historisch ungenau wäre, alle früheren flexiblen Bürokonzepte nachträglich als Coworking zu bezeichnen.

Satellite Office bot bereits seit 1997 flexible und geteilte Büroinfrastruktur an. Coworking als eigenständige Bewegung mit Community-Gedanken wurde aber erst später wahrgenommen und bewusst in die Diskussion aufgenommen.

Diese Trennung macht die Entwicklung nachvollziehbarer – und erklärt zugleich, weshalb die Grenzen heute wieder so unscharf geworden sind.

Die 2010er-Jahre: Coworking wird vom Gegenentwurf zum Milliardenmarkt

Was mit Freelancern, Kreativen und kleinen Gründerteams begann, entwickelte sich in den 2010er-Jahren rasant weiter.

Coworking versprach zunächst einen deutlichen Gegenentwurf zum klassischen Unternehmensbüro. Große offene Flächen, Gemeinschaftstische, informelle Lounges, Events und eine bewusst sichtbare Community-Kultur bestimmten das Bild. Arbeiten sollte weniger hierarchisch, spontaner und sozialer werden.

2010 wurde WeWork gegründet. Das Unternehmen machte Coworking weltweit sichtbar und zeigte, dass sich flexible Arbeitsflächen in großem Maßstab vermarkten lassen. Gleichzeitig führte die aggressive Expansion später vor Augen, dass Coworking trotz aller Technologie- und Community-Erzählungen ein immobilienintensives Geschäft bleibt. Nach jahrelangem Wachstum und hohen Verpflichtungen beantragte WeWork 2023 Gläubigerschutz und schloss 2024 seine Restrukturierung ab.

Für die Branche war die Entwicklung trotzdem prägend. Coworking wurde professioneller. Unternehmen entdeckten flexible Flächen für Projektteams, Niederlassungen und hybride Arbeitsmodelle. Gleichzeitig begannen viele Coworking-Anbieter, abgeschlossene Büros, Meetingräume und zusätzliche Services anzubieten.

Auf der anderen Seite modernisierten Business Center ihre Flächen, öffneten sich stärker und integrierten Lounges und gemeinschaftlich nutzbare Bereiche.

Die beiden ursprünglich unterschiedlichen Welten näherten sich an.

Vom Community-Space zum professionellen Workspace

Mit der Professionalisierung veränderten sich auch die Erwartungen der Nutzer.

Ein gemeinsamer Tisch und schnelles WLAN reichen für viele Tätigkeiten aus. Für vertrauliche Gespräche, Videokonferenzen, konzentrierte Analysen oder längere Arbeitsphasen gelten jedoch andere Anforderungen. Akustik, Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten wurden deshalb für viele flexible Arbeitswelten wichtiger.

Im Jubiläumsmagazin beschreibt Anita Gödiker diese Entwicklung aus Sicht von Satellite Office sehr deutlich. In der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre sei zunehmend der Wunsch nach mehr Ruhe und Konzentration wahrgenommen worden. Statt die Fläche immer weiter zu öffnen, rückten kleinere Bereiche, Akustik, individueller Platz und Rückzug stärker in den Mittelpunkt.

2018 wurde daraus innerhalb des Unternehmens die Grundlage für pureSilent® entwickelt. Das Konzept wurde zunächst im Beirat diskutiert und anschließend weiter ausgearbeitet.

2019 entstand am Frankfurter Opernplatz der erste Satellite-Office-Standort nach dieser Philosophie. Statt eines dominierenden Open Space wurden kleinere Arbeits- und Rückzugsbereiche, individuell nutzbare Büros sowie teilweise akustisch geschützte Zonen vorgesehen.

Damit entstand kein Gegenentwurf zu flexibler Arbeit. Vielmehr verschob sich die Frage:

Nicht mehr nur „Wo kann ich flexibel arbeiten?“, sondern zunehmend „Welche Umgebung brauche ich für welche Aufgabe?“

Diese Frage prägt die Arbeitswelt heute stärker denn je.

Corona beschleunigt die Entwicklung – aber erfindet sie nicht

Die Corona-Pandemie wird häufig als Ausgangspunkt hybrider Arbeit beschrieben. Historisch stimmt das nur teilweise.

Mobile und flexible Arbeitsmodelle existierten längst. Die Pandemie beschleunigte jedoch ihre Verbreitung enorm und machte Millionen Beschäftigten innerhalb kürzester Zeit bewusst, dass Wissensarbeit nicht zwingend jeden Tag am selben Ort stattfinden muss.

Der Effekt ist geblieben. 2025 arbeitete in Deutschland ein Viertel aller Erwerbstätigen zumindest gelegentlich im Homeoffice. Vor der Pandemie waren es 2019 lediglich 13 Prozent.

Auch 2026 zeigt sich keine Rückkehr zur alten Normalität: Laut ifo Institut arbeiteten im August 2026 24,9 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland zumindest teilweise aus dem Homeoffice. Im Dienstleistungssektor waren es sogar 35,1 Prozent. Das Institut sieht den Homeoffice-Anteil seit mehreren Jahren weitgehend stabil.

Damit hat sich die Rolle des Büros grundlegend verändert.

Früher war es für viele Unternehmen schlicht der Ort, an dem Arbeit stattfand. Heute muss es stärker begründen, warum jemand dort arbeitet.

Für manche Aufgaben ist das gemeinsame Büro ideal: Austausch, Workshops, Kundentermine, spontane Kommunikation. Andere benötigen Ruhe, Diskretion oder hochwertige technische Infrastruktur. Wieder andere lassen sich problemlos im Homeoffice erledigen.

Genau dadurch gewinnen flexible Arbeitsorte an Bedeutung. Unternehmen müssen nicht jede denkbare Nutzung dauerhaft auf eigener Fläche vorhalten, sondern können Räume bedarfsgerecht einsetzen.

Coworking in Deutschland heute: Die Grenzen verschwimmen

Aus der einstigen Nische ist inzwischen eine eigenständige Infrastruktur geworden.

Der Bundesverband Coworking Spaces Deutschland erfasste für 2025 mehr als 1.000 einzelne Betreiber. Die Zahl der erfassten Coworking Spaces stieg zwischen 2020 und 2025 um 59,6 Prozent. Berlin lag 2025 mit 228 Standorten vor München mit 113 und Hamburg mit 109.

Dabei ist ein Detail besonders interessant: In die Statistik fließen ausdrücklich nicht nur klassische Coworking Spaces ein, sondern auch hybride Workspaces mit Coworking-Flächen.

Die Marktstatistik selbst zeigt damit, wie schwierig eine klare Trennung inzwischen geworden ist.

Was ist heute ein Coworking Space? Was ist ein Business Center? Was ist ein Serviced Office oder Flex Office?

In der Praxis kombinieren viele Anbieter Elemente aus mehreren Welten: offene Arbeitsbereiche, private Büros, Meetingräume, Geschäftsadressen, Services und Community-Angebote.

Damit führt die Geschichte beinahe zurück zu ihren Anfängen.

Das flexible Büro wurde zunächst zum Service. Coworking ergänzte die Gemeinschaft. Heute entstehen daraus Arbeitswelten, die beides verbinden – und zusätzlich immer stärker zwischen Kommunikation und Konzentration unterscheiden.

Business Center und Coworking: Wo liegt heute noch der Unterschied?

Historisch lässt sich die Grenze recht deutlich ziehen.

Ein klassisches Business Center entstand aus dem Bedürfnis nach professioneller Büroinfrastruktur ohne langfristige Verpflichtung. Möblierte Einzelbüros, Konferenzräume, Empfang, Telefon- und Sekretariatsservice standen im Vordergrund.

Das klassische Coworking entstand dagegen stärker aus dem Bedürfnis nach Gemeinschaft und Austausch. Menschen, die unabhängig voneinander arbeiten, teilen nicht nur einen Raum, sondern bewusst eine Arbeitsumgebung und häufig auch ein Netzwerk.

Heute überschneiden sich beide Modelle erheblich.

Coworking Spaces bieten abgeschlossene Büros und professionelle Meetingbereiche. Business Center integrieren gemeinschaftliche Arbeits- und Aufenthaltsflächen. Der Begriff Flexible Workspace beschreibt diese Überschneidung deshalb oft besser als die historischen Kategorien.

Für Nutzer ist die Bezeichnung ohnehin zunehmend zweitrangig. Entscheidender ist, ob ein Arbeitsort zu der jeweiligen Aufgabe passt.

Was kommt nach Coworking?

Die nächste Entwicklungsstufe wird wahrscheinlich nicht durch einen neuen Schreibtischtyp und auch nicht durch einen weiteren Anglizismus bestimmt.

Die Zukunft gehört Arbeitsumgebungen, die Wahlmöglichkeiten bieten.

Menschen benötigen Orte für Begegnung und Orte für Rückzug. Räume für Teamarbeit und Räume für konzentrierte Einzelarbeit. Professionelle Umgebungen für Kundentermine ebenso wie flexible Arbeitsplätze für wenige Stunden. Manche Tage finden im Unternehmensbüro statt, andere zu Hause oder an einem dritten Arbeitsort.

Bereits im Jubiläumsmagazin von 2022 wird genau diese Kombination als Zukunft der Arbeitswelt beschrieben: kommunikative und netzwerkfördernde Orte auf der einen Seite, Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten auf der anderen.

Damit schließt sich auch für Satellite Office ein Kreis.

1997 bestand die Idee darin, Unternehmen ein professionelles Büro zur Verfügung zu stellen, wenn und wo sie es benötigen. Später kamen neue Begriffe, Technologien und Arbeitsmodelle hinzu. Das Grundprinzip blieb bemerkenswert stabil: Arbeitsräume müssen sich an Unternehmen und Menschen anpassen – nicht umgekehrt.

Coworking hat diese Entwicklung nicht allein erfunden. Aber es hat sie beschleunigt und sichtbar gemacht.

Aus geteilten Büros wurde eine Bewegung. Aus der Bewegung entstand ein Markt. Und aus dem Markt entwickelt sich heute eine Arbeitswelt, in der nicht mehr ein einziger Ort darüber entscheidet, wie und wo gute Arbeit entsteht.

Häufige Fragen zur Geschichte des Coworkings

Wer hat Coworking erfunden?

Der Begriff „coworking“ wurde bereits 1999 von Bernie DeKoven verwendet, allerdings noch für eine Form kollaborativer Zusammenarbeit und nicht für einen bestimmten Büroraum. Als Begründer des modernen Coworking Spaces gilt meist Brad Neuberg, der 2005 in San Francisco einen gemeinsamen Arbeitsort für unabhängige Berufstätige initiierte.

Was war der erste Coworking Space?

Als Ausgangspunkt des modernen Coworkings gilt häufig Brad Neubergs San Francisco Coworking Space von 2005. Ähnliche Modelle und Vorläufer existierten jedoch bereits zuvor, darunter Business Center, Hackerspaces und gemeinschaftlich genutzte Arbeitsorte wie die Schraubenfabrik in Wien. Deshalb hängt die Antwort davon ab, wie eng man Coworking definiert.

Seit wann gibt es Coworking in Deutschland?

Vorläufer gemeinschaftlicher und flexibler Arbeitsorte existierten in Deutschland bereits in den 1990er-Jahren. Die c-base entstand 1995 in Berlin, Satellite Office eröffnete 1997 ein flexibles Bürokonzept und das St. Oberholz etablierte 2005 das Working Café. Als einer der ersten ausdrücklich als Coworking verstandenen Spaces Berlins folgte 2009 das betahaus.

War Satellite Office 1997 bereits ein Coworking Space?

Nicht nach der heute üblichen Definition. Satellite Office bot 1997 bereits flexibel nutzbare Büros, gemeinsam genutzte Infrastruktur und Services an und setzte damit wesentliche funktionale Prinzipien heutiger Flex-Workspace-Modelle um. Der Community-Gedanke des modernen Coworkings stand jedoch nicht im Mittelpunkt. Satellite Office selbst setzte sich laut Unternehmenshistorie erst ab 2009 ausdrücklich mit dem Begriff und dem Coworking-Modell auseinander.

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