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Vorsicht mit dem Begriff „Homeoffice“. Oliver Kaltner, CEO von Room, über hybrides Arbeiten

Oliver Kaltner hat kürzlich seine Büros im neusten Satellite Office am Ku’damm bezogen. Heute sprechen wir über ein Thema, dass sein Unternehmen „Room“ genauso betrifft wie Satellite Office. Die Themen-Schnittmenge: hybrides, flexibles Arbeiten.

„Einige Tage im Homeoffice, einige Tage im Büro, einige Tage auf Reisen, immer erreichbar, immer im Working Modus“ – das ist für Oliver Kaltner hybrides Arbeiten. Und das ist nicht die ferne Zukunft, sondern heute gelebte Realität. Allerdings gibt es an vielen Punkten noch einiges nachzubessern. Besonders durch das Virus finden viele Reisen nicht mehr statt, was zu mehr Zeit im Büro führt.

Oliver Kaltner ist Geschäftsführer des Start-ups „Room“. Er beschäftigt sich mit der Gestaltung von Büroflächen, hat modulare Raum-in-Raum-Systeme entworfen, die in jeder Fläche mobil einsetzbar sind, ohne Wände einzureißen oder teure Klima- und Lichtsysteme verändern zu müssen.

Hybrides Arbeiten – schon heute Realität

„Zurzeit reden wir fälschlicherweise über Homeoffices, was allerdings vielmehr das Arbeiten von zu Hause darstellt. Die meisten Leute sitzen am Küchentisch, am Esstisch, auf dem Sofa – und das schon seit Monaten! Nur sehr wenige Menschen verfügen über ein Arbeitszimmer zu Hause.“, beschreibt Kaltner die aktuelle Lage. Deshalb solle man den Begriff „Homeoffice“ vorsichtig verwenden. „Wenn wir über Homeoffice reden, reden wir über Investitionen in das Office zu Hause. Das ist eine Botschaft an die CEOs und Geschäftsführer: Es ist ein Irrglaube, dass die Mitarbeiter einfach ins Homeoffice geschickt werden können, ohne Infrastruktur! Wenn ich Homeoffice erlaube, muss ich investieren. Ich glaube aber, Homeoffice ist auf Dauer gar nicht das Thema. Wir sollten Homeoffice in homöopathischen Dosen nutzen. Ich bin überzeugt, wir sollten lieber eine sichere Umgebung kreieren – so wie bei Satellite Office – in welche die Leute gerne wiederkommen. Hybrides Arbeiten ist das Modell der Zukunft! Dazu gehören einige wenige Tage im Homeoffice in Kombination mit anderen Arbeitsplätzen im Firmenbüro und in Satellite Offices.“

Anita Gödiker mit Oliver Kaltner beim Gespräch über Homeoffice und hybrides Arbeiten

Meetingräume werden kürzer genutzt als gedacht

Da alle Raum-in-Raum-Systeme von Room mit Sensoren ausgestattet sind, kann Oliver Kaltner heute schon sagen, dass die Ausnutzung von Büroräumen noch optimiert werden kann. „Häufig werden Meetingräume für den ganzen Tag geblockt, aber nur wenige Stunden genutzt. Oder Räume werden für 10 Personen reserviert, aber nur von 2 Personen genutzt. Das ist besonders in Top-Lagen nicht wirtschaftlich. Über ein Tracking der Nutzungsgewohnheiten mit einem Sensor, in Verbindung mit einer App, könnten Meetingräume wesentlich effizienter genutzt werden“, ist Kaltner überzeugt. Hier kann man durch Digitalisierung noch viel erreichen.

Digitalisierung bei der Nutzung von Arbeitsflächen

„Die Treiber der Digitalisierung denken anders“, so Oliver Kaltner. Als Beispiel nennt er Elon Musk, der vor den Toren Berlins ein neues Werk eröffnet. Elon Musk wird dort – wie er sagt – ein Smartphone auf vier Rädern bauen. Sindelfingen fragt sich noch immer, wie ein Auto in so einem Tempo wie vorgesehen, gebaut werden soll. Das Geheimnis: „Andere Denken, es ist kein Auto, es ist ein Smartphone auf vier Rädern!“ Für die Nutzung von Büroflächen sieht er ähnliche Veränderungen: Tracking-Apps für minutengenaue Abrechnung, Sensoren zur Sammlung und Auswertung von Nutzerverhalten, Ein- und Auschecken mit dem Smartphone. Das klingt, als ob er mit Room diesen Weg längst beschritten hätte! „Die Digitalisierung geht so tief in die tägliche Arbeit, das denkt man erst gar nicht.“

Der Digitalisierungsprozess zeigt, dass die Kunst der Deutschen nicht nur im Engineering, sondern auch in der Digitalisierung gefragt ist. Wenn Digitalisierung als eine Produktionsleistung verstanden wird, kann Deutschland führend sein.

Deutschland ist ein Dinosaurier

Anita Gödiker, CEO von Satellite Office bestätigt „Ich finde es großartig, mit Visionären zu arbeiten. Verwalter haben wir genug. Ich unterstütze den Ansatz von Oliver Kaltner sehr, denn nie wurde es deutlicher, dass Deutschland ein Dinosaurier-Land ist mit Bezug auf Digitalisierung. Ich gehe so weit zu sagen, dass wir nicht nur anders denken müssen, sondern auch zügiger handeln und umsetzten müssen – vor allem digitaler! Das wurde nie deutlicher als jetzt in der Pandemie.“